Adresse: Bachstrasse, Bahnhofstrasse, Adlerstrasse, 8200 Schaffhausen
Programm: 50 Wohnungen, Gewerbeflächen, Café
Bauherrschaft: Klaiber Immobilien AG, Schaffhausen
Auftragsart: Studienauftrag, 4. Rang, 4. Preis
Projektteam: Gian Brechbühl, Laurent Burnand, Korbinian Bromme, Léon Dräger, Tim Hodapp, Stephan Sintzel
Fachplanung und Beratung
Landschaftsarchitektur: Tremp Landschaftsarchitekten, Zürich
Visualisierungen: Indievisual, Zürich
Assoziationen zur Stadt Schaffhausen
Denken wir an Schaffhausen, so kommt uns der Munot in den Sinn. Die imposante Zirkularfestung aus dem 16. Jahrhundert wacht ikonografisch über der Altstadt. Mit ihrer runden Form zeigt sie ihre Funktion als allseitige Wehranlage und thront als Satellit über der Stadt und dem Rhein.
Nach der Schleifung der Stadtmauern im 18. Jahrhundert blieb der Munot nicht allein ausserhalb der Altstadt. Die Bahnlinie mit dem Bahnhof, Schulbauten am Fusse des Emmersberg, Villen und Wohnbauten aus der Gründerzeit gesellten sich dazu. Formal weisen sie nur wenige Gemeinsamkeiten auf, jedoch sind sie als solitäre Typen erkennbar. Hier eine Schule mit Risaliten, da eine Villa mit axialem Aufbau. Später kamen moderne Bauten hinzu, die mit ihrer räumlichen Ordnung als einbündige Schulanlage oder als Windmühlenstruktur erkennbar sind. Ihre Verwandtschaft zeigt sich darin, dass sie als Typen für sich selbst stehen. Sie verstehen sich nicht als Teil eines Gewebes, wie ein Haus in der Altstadt, sondern als unabhängige Solitäre.
Keine Einbindung in das Gewebe der Altstadt, was die Autonomie des Schwabentors stärkt
Unser Entwurf präsentiert sich eigenständig und als unabhängiger Typus und gesellt sich damit zu den Bauten ausserhalb der Stadtmauern. Das Schwabentor wird dadurch klar dem Gewebe der Altstadt zugeordnet und bleibt als Auftakt zur historischen Stadt lesbar. Mit den einspringenden Ecken weicht unser Bau zurück und gewährt dem Denkmal zusätzlichen Raum.
Gemäss den Erhaltungszielen des ISOS gehört die Parzelle zusammen mit den geschützten Bauten entlang der Schlagbaumstrasse zu den Bauten aus der Gründerzeit auf dem nördlichen Geviert der Stadt. Die zurückspringenden Ecken unseres Entwurfs nehmen die Typologie von Eckbauten aus der Gründerzeit auf. Sie bilden städtebauliche Akzente an den Strassenecken und -kreuzungen, analog zu den Bauten Schlagbaumstrasse 6 und Bahnhofsstrasse 102. Auch in der Materialisierung nehmen wir Bezug auf diese Bauten: gebrannter Ton im Sockel und in den Fassadenbändern, während die vertikalen Scheiben den Naturstein des Schwabentors und die Pfeiler des Schulhauses Gelbhausgarten aufnehmen.
Neue Verkehrsordnung durchtrennt die Insel
Durch die neue Verkehrsführung gewinnt die Schlagbaumstrasse an Bedeutung und die im ISOS definierte Insel verliert den inneren Zusammenhalt. Dicht vom Verkehr umspült gewinnt der von uns vorgeschlagene Baukörper weiter an Autonomie, worin sich seine Allseitigkeit begründet. Der Verkehr dominiert das Bild an der Schlagbaumstrasse, die zurückspringenden Gebäudeecken verschaffen einen wohltuenden Abstand und ermöglichen Orte für Begegnungen, sowohl für die Bewohnenden als auch für das Gewerbe.
Stadtraum für die Öffentlichkeit
Wir organisieren das Programm so kompakt wie möglich, damit maximal viel Stadtraum für die Öffentlichkeit frei bleibt. Rings um unseren Baukörper soll genügend Platz für Bäume vorhanden sein, welche die zu Fuss Gehenden von der Fahrbahn abschirmen. Auch die Vorplätze bei den Zugängen zu den Wohnungen sind grosszügig ausgebildet.
An der südwestlichen Ecke von Bahnhof- und Adlerstrasse weicht unser Bau zurück und lässt an bestes besonnter Lage Raum für ein Café mit Aussenbestuhlung – ein Geschenk an die Bewohnenden der Stadt!