Mit der Überbauung des Werkhofareals im Mattenhofquartier wird eines der letzten innerstädtischen Blockrandfragmente Berns vervollständigt. An der viel befahrenen Schwarztorstrasse ist der öffentliche Raum zwar laut, aber städtisch, lebendig und sonnig. Darum ist das neue Haus bewusst der Strasse zugewandt, und darum sind die Wohnungslayouts aussergewöhnlich: Denn erst das komplementäre Ineinanderfügen der Wohneinheiten lässt alle am Licht und Leben der Strassenseite teilhaben – und an der Ruhe und frischen Luft der Hofseite.

Damit möglichst viele Wohnungen am Hofraum partizipieren, wirft die Hoffassade gleichsam Falten, während die Ansicht zur Strasse hin straff gespannt ist. Die plastische Gliederung der Baumassen verhält sich komplementär dazu: Plane Wände prägen die stark bewegte Kubatur im Hof, während die unbewegte Strassenansicht von einer Pfeilerordnung gegliedert wird. Diese Pfeiler setzen das massive Klinkermauerwerk erst richtig in Szene, aus dem die Wände gefügt sind. Mit dem hochwertigen Material wird das Bekenntnis zu diesem Stadtquartier im Umbruch bekräftigt und die langfristige Perspektive des privaten Bauträgers unterstrichen, der sich hier für die Stadt engagiert hat.

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Adresse: Schwarztorstrasse 102–110, 3007 Bern
Programm: 95 Wohnungen, Café
Bauherrschaft: Emil Merz AG
Bauherrenberatung: Michael Frey
Auftragsart: 1. Preis im Projektwettbewerb 2008, Generalplanung, Planung und Ausführung 2008-2013, vollendet unter Esch Sintzel Architekten

Projektleitung: Pia Schwyter-Lanter
Projektteam: Jonathan Bopp, Sandra Gautschi, Jenna Klupsch, Claudia Mühlebach, Marco Rickenbacher, Irene Schibli, Patrick Schori, Jana Stratmann

Fachplanung und Beratung
Baumanagement: ANS Architekten und Planer
Landschaftsarchitektur: Berchtold Lenzin Landschaftsarchitekten
Statik: Ernst Basler + Partner
Bauphysik: Bakus Bauphysik und Akustik
Haustechnik, Sanitär, Elektro: Ingenieurbüro IEM
Licht: Moser Sidler
Farbe: Andrea Burkhard

Fotografien: Walter Mair

Referenz: Filmstill aus Rear Window, Alfred Hitchcock, 1954
Referenz: Haus Scheu, Wien, Adolf Loos, 1912