Stans besteht vorwiegend aus offenen Bebauungen, wo Baukörper den Aussenraum formen. Mit der angestrebten Dichte kommt die offene Bebauung an ihre Grenzen, die Aussenräume bleiben als Resträume zwischen den verdrängenden Baukörpern zurück. Die Dichte erfordert eine alternative städtebauliche Strategie, wo Aussenräume die Baukörper formen. Die Dichte wird als siebengeschossige Masse über die gesamte Parzelle ausgebreitet. Daraus werden wohlproportionierte Aussenräume ausgeschnitten.
Stans ist umringt von Bergen. Es liegt im Tal, gut erschlossen durch Bahnlinie und Autobahn, im Einzugsgebiet der Stadt Luzern, aber auch am Fuss der Berge – die Berglandschaft dient als willkommenes Naherholungsgebiet. An der Schwelle von urbanem Mittelland und Bergparadies gelegen, erlauben offene Höfe Ausblicke in die umliegenden Berge.
Die Dichte erschliesst sich erst auf den zweiten Blick. Entlang der Strassen als Punkthäuser wahrgenommen, verfügt die Bebauung mittig über einen verbindenden Grat. Der von Norden nach Süden verlaufende Grat ermöglicht eine Vielzahl von Wohnungen mit Ost-West-Orientierung.
Die lange, monotone Fassade des Länderparks und die mehrspurige Stansstaderstrasse sind eine Bürde. Dennoch soll die attraktive Orientierung nach Westen für die Siedlung aktiviert werden. Eine Sequenz von offenen Höfen begleitet die Strasse und schafft einen eigenen Vordergrund für die Wohnungen. Dadurch werden der Strassenraum rhythmisiert und Adressen ausgebildet. Auf Erdgeschoss-Niveau schirmen die Rückwände der Velounterstände die Raumtaschen vom Strassenlärm ab.
Ein System von offenen Höfen, mit Durchgängen verbunden, bilden das Aussenraumgerüst der Siedlung. Die nach Osten orientierten Höfe sind vom Lärm abgeschirmt und bieten einen Rückzugsort für die Bewohnenden. An den Höfen zur Strasse befinden sich die Gewerberäume und die Adressen der Wohnungen. Die verschieden grossen Höfe bieten eine Variation an unterschiedlichen Orten, verteilt über die gesamte Siedlung. So können sie verschiedene Bedürfnisse der Bewohnenden abdecken und unterschiedliche, spezifische Orte innerhalb der Siedlung schaffen – es entsteht Identität durch Differenzierung.
Architektur sucht nach Regeln, nach einer Wiederholung der gleichen Gebäudekompositionen. So wird Architektur zum begleitenden Rahmen für die Bühne des Lebens. Die Soziologie verlangt nach Vielfalt in der Dimension der Aussenräume. Gesucht ist eine Balance zwischen regelhafter Architektur und differenzierten Aussenräumen.
Ausgehend von einer überspannenden Grossform wird diese in Anlehnung an die Referenz Garbatella in Rom an die vorgefundenen Gegebenheiten angepasst, indem sie sich als freie Form zwischen die Strassenräume spannt.
Der charmante Bestandsbau auf der Unteren Spichermatt bleibt bestehen. Die Mitte der Siedlung erweitert sich zur grünen Fuge, zusammen mit dem grossen, dort situierten Gemeinschaftsraum wird sie zum belebten Zentrum der Siedlungsgemeinschaft.
Die siedlungsinterne Vernetzung wird mit Durchgängen gestärkt. Ein System von zweigeschossigen Durchgängen ermöglicht den Übergang vom einen zum anderen Hof. An den Durchgängen liegen Wohnateliers und Wohnungszugänge, wodurch diese belebt werden.
Wir haben einen Abbruch des ‘Nagelhauses’ geprüft, jedoch fehlt ohne Bestand die Verankerung der Anlage am Ort. Sie bliebe dann ohne Reibung mit dem Vorgefundenen. Nun, dicht umbaut, erinnert das Haus an die Geschichte des Ortes und stiftet der Siedlung Seele und Identität. Die Situation mit dem kleinen Haus mag grotesk wirken – dies ist jedoch kein Mangel, sondern anregend und inspirierend. Sie erinnert beispielsweise an die Trinity Church an der Wallstreet, einem der bekanntesten Orte von Manhattan.
Adresse: Stansstaderstrasse, 6370 Stans
Programm: 278 Wohnungen, Atelierwohnungen, Gemeinschaftsräume, Zusatz-Zimmer, Kinder-Tagesstätte
Bauherrschaft: Logis Suisse AG, Zürich
Auftragsart: Studienauftrag im selektiven Verfahren, 1. Rang, 1. Preis
Projektteam: Korbinian Bromme, Selina Schönholzer, Timo Sawitzky, Sophie Alexander, Tim Hodapp, Laurent Burnand, Stephan Sintzel
Fachplanung und Beratung
Statik: Fanzun, Zürich
Haustechnik: Bogenschütz, Basel
Elektroingenieur: Enerpeak, Dübendorf
Bauphysik: Fanzun, Zürich
Nachhaltigkeit: Fanzun, Zürich
Landschaftsarchitektur: Uniola, Zürich
Expertin Sozialraum: Prof. Alexa Bodammer